AvenirSocial – Professionelle Soziale Arbeit Schweiz

AvenirSocial ist der Schweizerische Berufsverband der Sozialen Arbeit. Er vertritt sowohl die Interessen der Mitglieder des Berufsstandes, als auch die Interessen für sinnvolle und gerechte Rahmenbedingungen in der schweizerischen Sozialpolitik.

Seit 1989 bin ich Mitglied im Schweizerischen Berufsverband für Soziale Arbeit, Sektion Ostschweiz. Von 1999 bis 2012 war ich aktives Vorstandsmitglied und von 2006 bis 2011 nahm ich das Sektionspräsidium wahr. Seit 2010 bis heute berate ich Sektionsmitglieder bei Problemen am Arbeitsplatz. Mein Interesse liegt einerseits in der Entwicklung der Berufsidentität und der Berufsethik der Sozialen Arbeit, andererseits in der Sozialpolitik. Die Soziale Arbeit hat heute - wohl durch die politische Polarisierung in der Gesellschaft - einen schweren Stand in der Öffentlichkeit. Manchmal habe ich den Eindruck, dass in reisserischer und spaltender Weise die Soziale Arbeit eher als Teil des Problems denn als Teil der Lösung dargestellt werden soll. Demgegenüber wird viel zu wenig wahrgenommen, dass die Soziale Arbeit ein unverzichtbarer und wertvoller Bestandteil für die Lebensqualität des Gemeinwesens und für die Umsetzung der Menschenrechte in der Schweiz ist. Einem Gemeinwesen kann es nur so gut gehen, wie es auch seinen schwächsten Mitgliedern geht (so steht es schon in der Bundesverfassung). Die Soziale Arbeit muss sich in Zukunft selbstbewusster und offensiver in die öffentliche Diskussion über die Lösung sozialer Probleme einschalten.

Konkret: Im Thema Sozialhilfe hat unsere Sektion – in Zusammenarbeit mit fünf anderen sozialen Organisationen – während dem vergangenen Jahr den Rekurs einer alleinerziehenden Mutter vor der St. Galler Verwaltungsrekurskommission unterstützt, welche die Kosten von «betreuender Sozialhilfe» ihrer Wohngemeinde hätte zurück zahlen müssen. Das ›Urteil hat eine grundsätzliche Klärung gebracht in der Frage der Rückzahlbarkeit von Sozialhilfe: «materielle Sozialhilfe» muss zurückbezahlt werden, «betreuende Sozialhilfe» nicht. Damit haben jetzt alle Familien, welche betroffen sind von Fremdplatzierung ihrer Kinder, oder welche eine Unterstützung in Form von SPF beanspruchen mussten, keine Schulden mehr nach Abschluss der Massnahme (alle Familien müssen aber im Rahmen des Zumutbaren einen Elternbeitrag an die Kosten der laufenden Massnahme leisten). Das verbessert die Zukunftsperspektiven vieler «armer Familien», indem sie nicht mehr durch einen überwältigenden Schuldenberg in der Armutsfalle gefangen gehalten werden und sie sich deshalb wirtschaftlich besser erholen können. Wir sind der Ansicht, dass «Steuern zahlen» für alle Beteiligten normaler und lohnender ist als «Schulden bei der Gemeinde zurückzahlen», welche aus der Behebung einer familiären Notlage entstanden sind.

›AvenirSocial Sektion Ostschweiz